Volle Terminkalender wegen der Winter-WM in Katar – Fans befürchten sinkende Qualität des Fußballs

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Von Jasmin Eigl

Die Trainer der nationalen Ligen in Europa äußern immer wieder ihren Unmut bezüglich der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Katar. Der enge Terminkalender und die vielen englischen Wochen hinterlassen vor allem bei den Profis ihre Spuren. Viele Vereine klagen schon jetzt über die hohe Belastung und verletzte Spieler. FanQ hat die Fußballfans in Deutschland befragt, ob sie befürchten, dass die Qualität des Fußballs unter dem vollen Terminkalender leidet.

Glasner: „Die Grenze ist überschritten“

Mit Blick auf die anstehenden Nations-League-Spiele gehen die Trainer der Profimannschaften hart mit dem engen Terminplan sowie der Doppelbelastung ihrer Nationalspieler ins Gericht. Die Akteure der Bundesliga sind durch die zahlreichen englischen Wochen einer hohen Belastung ausgesetzt, vor allem wenn ihre Clubs in den internationalen Wettbewerben vertreten sind. Dass viele Profis am Ende dieses Jahres auch noch zur Winter-WM nach Katar fliegen, missfällt den Trainern der Bundesliga.

Zuletzt beklagte Oliver Glasner, Trainer von Eintracht Frankfurt, die Situation auf einer Pressekonferenz. „In vielen Mannschaften wütet der Verletzungsteufel“, mahnte der SGE-Coach und wies auf die Situation seiner Eintracht hin. So zeigte er sich bezüglich der Gesundheit seines Kaders besorgt: „Die Spieler sind teilweise überlastet.“ Er kritisierte zudem das ohnehin umstrittene Turnier im Wüstenstaat: „Die Grenze ist überschritten – und dann knallt man noch eine WM im Winter raus.“

Auch RB Leipzigs Trainer Marco Rose und Jürgen Klopp vom Premier-League-Club FC Liverpool stimmen Glasner in seiner Sichtweise zu. Beide sind um die Nationalspieler in ihren Reihen besorgt. „Wenn man unsere Nationalspieler sieht, die jetzt zwei Spiele haben und aus englischen Wochen kommen, in sechs englische Wochen gehen – dann muss man natürlich sagen, dass das für die Jungs zu viel ist und sie irgendwann auch mal an ihre Grenzen stoßen“, gab zum Beispiel der RB-Coach in einem „SID“-Interview zu bedenken. Und auch der Übungsleiter der ‚Reds‘ legte im Gespräch mit „OneFootball“ den Finger kürzlich in die Wunde: „Diese WM findet zu einem falschen Zeitpunkt statt, aus falschen Gründen.“ Jeder wisse, „dass es nicht richtig ist. Aber niemand spricht oft genug darüber, dass es sich ändern wird. Es muss sich etwas ändern“, forderte er.

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Der Geschäftsführer der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, versuchte die erhitzten Gemüter unlängst zu beruhigen: „Aus meiner Sicht gibt es keine höhere Belastung durch die WM“, sagte er auf der DFB-Pressekonferenz vor dem Ungarn-Spiel. Außerdem rechtfertigte er die Teilnahme der Profis am Turnier: „Ohne die WM hätten die Teams in dieser Zeit auch englische Wochen gespielt.“

Bierhoff spielte in seiner aktiven Zeit selbst parallel in der Serie A und der Nationalmannschaft. Er kennt die physische und mentale Belastung der Spieler also, wies aber auf die verlängerte Sommerpause in diesem Jahr hin. Seine allgemeine Einschätzung im Hinblick auf die Weltmeisterschaft und die weiteren Spieltage in den Ligen falle keinesfalls negativ aus.

Auf Zustimmung dürfte der DFB-Geschäftsführer mit seiner Einschätzung im eigenen Land jedoch kaum treffen. Der Großteil der Fans steht dem anstehenden WM-Turnier in Katar ohnehin äußerst kritisch gegenüber (FanQ berichtete). Ebenso wenig überraschend dürfte es sein, dass eingefleischte Anhänger eines Clubs die Pflicht ihrer Profis in den nationalen Ligen, Pokalen sowie den Club-Wettbewerben der UEFA sehen.Die Nationalmannschaft ist für viele hingegen nicht zuletzt wegen der enttäuschenden Leistungen ‚der Mannschaft‘ bei der WM 2018 und der EM 2021 weniger interessant.

FanQ hat die deutschen Fußballfans in diesem Kontext befragt, ob sie in Anbetracht des vollen Terminkalenders der meisten Spieler einen Qualitätsverlust des Fußballs befürchten. Eine deutliche Mehrheit von 82,56 % geht davon aus, dass der Fußball aufgrund überlasteter oder verletzter Spieler an Attraktivität verliert. 12,79 % halten hingegen dagegen und sehen die Qualität des Profi-Fußballs durch die Winter-WM nicht gefährdet Ob die WM in Katar dem Fußball, wie wir ihn kennen, tatsächlich den Wind aus den Segeln nimmt, wird sich spätestens in der zweiten Saisonhälfte zeigen.

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