Proteste wegen Einschränkung der Medienfreiheit in La Liga – Fans zeigen Verständnis

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Von Eike Wölk

Die spanische Fußballiga hat für einen Aufschrei in der Medienwelt gesorgt. Bei der Vergabe der Übertragungsrechte für die nächsten fünf Jahre wurde vertraglich festgehalten, dass die Berichterstattung über die Liga ausschließlich positiv sein darf. Im Klartext heißt das: Unangenehme oder private Fragen an Spieler und Manager sind zukünftig verboten. Journalisten-Vereinigungen und die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) kritisieren diese Regelung. Vor diesem Hintergrund hat FanQ die Fußballfans in Deutschland befragt, ob sie die Proteste für berechtigt halten.

Zensur der Presse- und Meinungsfreiheit?

Im Dezember letzten Jahres hatte der spanische Verband die Übertragungsrechte für La Liga neu vergeben, den Zuschlag erhielten Telefónica und DAZN. Sie konnten sich die Rechte für insgesamt 4,95 Milliarden Euro sichern. Der Vertrag gilt seit Beginn dieser Spielzeit. Besonders kurios: La Liga behält sich das Recht vor, die Entlassung von Kommentatoren und Reportern zu fordern, sollten diese mit negativer Berichterstattung auffallen. Dieses Vorgehen stellt laut Teresa Ribeiro, OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, eine klare Zensur der Presse- und Meinungsfreiheit dar: „Die neuen Klauseln schränken die Medienfreiheit und das Recht auf Information in unzumutbarer Weise ein. Das ist leider eine zunehmende Praxis in der Fußballwelt.“ Außerdem stellte sie klar, dass der Staat die Pflicht habe, die Freiheit der Medien zu bewahren.

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Die Liga selbst begründet ihr Vorgehen damit, dass „Boulevardthemen und Familienangelegenheiten der Spieler“ aus der Berichterstattung während und nach den Spielen herausgehalten werden sollen. Der Wortlaut der Ausschreibung im Original liest sich wie folgt: „Der zukünftige Rechteinhaber muss versichern, dass die Produktion auf positive Weise erfolgt und das Image des Wettbewerbs, der Klubs, Spieler, Trainer und Fans nicht beschädigt wird.“ Der Chef der spanischen Liga, Javier Tebas, schob jeglicher Kritik sofort einen Riegel vor. Seiner Meinung nach sollten direkt nach Spielende nur Fragen zur Partie gestellt werden dürfen. Alle anderen Themen könnten in Pressekonferenzen besprochen werden.

Aus aktuellem Anlass hat FanQ deshalb die deutschen Fußballfans befragt, ob sie die Proteste gegen die Einschränkungen der Medienfreiheit vertretbar finden. So kann die Mehrheit (62,26 %) der an der Umfrage teilnehmenden Personen die Proteste gegen die befürchtete Zensur der Medien verstehen. Demgegenüber halten 22,64% der Befragten die öffentliche Kritik an den neuen Vertragsmodalitäten der Übertragungsrechte für nicht nachvollziehbar.

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